Die Macht der Gewohnheiten (2)

Stehen geblieben waren wir bei: Warum tun wir es dann nicht einfach? Um diese Frage zu beantworten beginnen wir gleich mit dem nÀchsten Topic.
Inhaltlich wird es darum gehen, die macht des geringsten Widerstands zu erlĂ€utern und diesen fĂŒr mich statt gegen mich nutzen.

Die Macht des geringsten Widerstands

Wir, Menschen sind von Natur aus so, dass wir den Weg mit geringsten widerstand nehmen wollen. Es spart Energie, Zeit und Frust. Wir Menschen neigen dazu solchen Momenten so gut es geht aus dem Weg zu gehen und immer den Weg des geringsten Widerstands zu nehmen. Um was es sich handelt, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Es ist angenehmer, den Supermarkt um die Ecke zu besuchen als 5 km zum nĂ€chsten Fahren zu mĂŒssen. Es ist angenehmer sich im Zimmer aufzuhalten, als im Winter in der KĂ€lte einen Spaziergang zu machen oder ĂŒberhaupt einen Spaziergang zu machen. Fast Food ist einfacher zu besorgen als Einkaufen, kochen und abwaschen zu mĂŒssen.
Auf der Couch zu sitzen und fernzusehen ist angenehmer, als sich ein Buch in die Hand zu nehmen und aktiv zu lesen.

Jetzt oder gleich, was macht das fĂŒr einen riesen Unterschied?

Unser Unterbewusstsein schĂ€tzt den Moment stĂ€rker als die Zukunft. Deshalb Rauchen z.B. auch Menschen, denn die sofortige Befriedigung ist fĂŒr das Gehirn mehr Wert als die mögliche Befriedigung in der Zukunft. Es ist eine vermeintliche Erleichterung, Verbesserung des temporĂ€ren Zustands. Das Nikotin setzt Endorphine frei und wir fĂŒhlen uns gut. Wir nehmen dafĂŒr sogar den schlechten Beigeschmack und die langfristigen Folgen in Kauf.
Die negativen Seiten der schlechten Tat werden verzögert wobei die vermeintlichen positiven Seiten sofort einwirken.
Aus diesem einfachen Grund sind gute Gewohnheiten schwieriger durchzusetzen als schlechte.
Bei denen sind die Folgen gut und das jetzt anstrengend und schlecht.
WĂ€hrend wir ackern fĂŒhlen wir uns schlecht, und erst in der Zukunft, wenn die Belohnung eintritt gut. Das ist auch der vermeintliche Grund wieso so viele Menschen aufschieben (Prokrastinieren). Man weiß, man mĂŒsste etwas fĂŒr die Schule/Uni tun, tut stattdessen etwas anderes (Tisch aufrĂ€umen, freunde Treffen usw.). Denn wenn man etwas anderes tut, setzt die Befriedigung sofort ein (klar, kommen weitere GrĂŒnde wie z.B. Angst dazu). Man steht sozusagen im Dilemma, sich hier im jetzt gut fĂŒhlen oder gleich.

Gewohnheiten und die Macht des geringsten Widerstand

Aus den oben genannten folgt, dass gute Gewohnheiten zu Beginn sehr viel
Fleiß Zeit und Kraft benötigen wobei die vermeintlich schlechten wie
von Hand gehen. Unser Gehirn belohnt uns fĂŒr das
kurzfristige und unser Körper bestraft uns fĂŒr das Langfristige. Bei den
guten Handlungen werden wir fĂŒr das Kurzfristige bestraft und
Langfristige belohnt. Man schiebt es so lange auf bis man an dem Punkt
ankommt, bei dem der Schmerz etwas anderes zu tun grĂ¶ĂŸer ist als die
Sache die getan werden muss (aaah, schon wieder der Weg des kleinsten
Widerstands). Wenn man dieses Prinzip verstanden hat, dann weiß man was zu tun ist. Manchmal gibt es leider gar keinen Ausweg mehr. Hat man zu viele schlechte Angewohnheiten, so kommt man an einem Punkt an, an dem das kurzfristige gute GefĂŒhl die langfristigen schĂ€dlichen GefĂŒhle nicht mehr ĂŒberdecken kann und dann endet man in einem Teufelskreislauf. Wie das gemeint ist, erklĂ€re ich euch an einem einfachen und gelĂ€ufigem Beispiel.
Wir alle besitzen eins, fĂŒhren es gefĂŒhlt 24 h mit uns. Es ist das erste und das letzte woran wir denken. Manchmal ist es die reinste Zeit Verschwendung und ein andermal ein Segen. Genau, ich spreche vom Handy. Was denn sonst? Das Handy kann uns sehr viel Arbeit abnehmen, vieles automatisieren und uns sogar zum besseren verhelfen, wenn es denn zu unserem Vorteil genutzt werden wĂŒrde. Um auf das Thema von oben zurĂŒckzukehren. Mit dem Handy in der Hand sind wir bloß einen schritt von der nĂ€chsten Befriedigung entfernt. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir uns mit den aktuellen Nachrichten befassen, einem Freund schreiben, Spiele spielen oder in den sozialen Medien unsere Zeit verbringen. All dies sind Dinge die uns fĂŒr den Moment gut fĂŒhlen lassen. Es ist auch nichts verwerfliches daran. LĂ€sst man sich zu sehr auf sein Handy ein, und blendet dadurch alles andere aus, kann es kurzfristig guttun. Tut man es jedoch zu oft und regelmĂ€ĂŸig, so verbringt man immer mehr Zeit damit statt mit den wichtigen Dingen im Leben. Bis man an einem Punkt angekommen ist, an dem man sehr viel Zeit mit dem Handy verbringt und weniger mit sich oder den Menschen in der Umgebung. Ohne Handy lĂ€uft rein gar nichts mehr. Egal ob man mit Freunden unterwegs ist oder der Familie zusammen sitzt. Vielleicht sogar einen Film schaut. Es ist einfach ins Extreme ausgeartet. Statistiken die, die Steigerung des durchschnittlichen Verbrauches, ĂŒber die letzten Jahre belegen gibt es einige. Aktuell sind wir mit 4h gut dabei
 Es wird tendenziell immer mehr und mehr. Das heißt es schadet uns, aber wir gewöhnen uns sehr schnell daran. TemporĂ€r lenkt es uns von allem schĂ€dlichem ab, langfristig fĂŒgt es uns aber mehr schaden zu. Bis man an dem Punkt ankommt, bei dem man realisiert
 Ich verliere durch mein Handy viel Zeit fĂŒr nichts (gibt noch ein dutzend negative Punkte) und dennoch komme ich nicht mehr weg davon.

Wie zum Vorteil nutzen?

Den Weg des geringsten Widerstands kann man aber auch zu seinem Vorteil nutzen. Indem man genau das tut, was dieser Spruch mit sich bringt. Man verringert alle möglichen WiderstÀnde auf dem Weg zu einem Ziel. Du willst abnehmen? Dann kauf dir nur das ein, was du wirklich benötigst.
Du möchtest spazieren gehen? Dann bereite deine KleidungsstĂŒcke fĂŒr den Spaziergang vor.
Einige von euch kennen es. Sie wollen ins Gym kommen aber nicht dazu, deshalb packen sie gleich die Sachen fĂŒrs Gym mit zur Arbeit ein und fahren dann direkt zum Gym, der Widerstand ist verringert.
Dieses Prinzip kann man fĂŒr alles anwenden (aufgepasst bei SĂŒchten, dort ist es leider nicht so einfach, dennoch hilfreich).
Ihr denkt euch, ist ja schön und gut. Das habe ich ein dutzend mal versucht aber es funktioniert nicht
 Tja, dann gibt es noch die Kehrseite der Medaille. Statt z. B. Fern zu schauen, wollt ihr einen Spaziergang machen. Obwohl ihr die Kleider herausgestellt habt, sitzt ihr wieder vor dem Fernseher? Dann gibt es mehrere GrĂŒnde, dafĂŒr zum einen die Angewohnheit fernzusehen, zum anderen ist der Widerstand fernzusehen kleiner, als einen Spaziergang zu tĂ€tigen. Allein den Widerstand zu reduzieren bringt es also nicht, was dann?

Die Kehrseite nutzen

Wenn den Widerstand verringern nichts oder nur zum Teil etwas bringt, dann können wir das genaue Gegenteil davon zu unseren Nutzen nutzen. Wie? Sehr simpel. Um beim Beispiel von oben zu bleiben. Statt fernzusehen, einen Spaziergang machen. Endet immer wieder beim Fernsehen. Also kann man den Widerstand beim Fernsehen drastisch erhöhen. Indem man das Sofa in die entgegengesetzte Richtung dreht. Die Stecker vom Fern herauszieht. Die Batterie von der Fernbedienung entfernt. Den Fernseher irgendwo anders hinstellt. Also alles was das Fernsehen erschweren soll. Dann sollte der Spaziergang einfacher sein, als fernzusehen und die Folge ist, das man spazieren geht.
Das Prinzip kann man auch auf sein Handy anwenden. Warum nutzen so viele Menschen zum entsperren, des Handys ihren Fingerabdruck/Irisscan, weil es einfacher und schneller geht. Macht mal das genaue Gegenteil. Denkt euch einen sehr langen Pin aus, den Ihr jedes mal eingeben mĂŒsst um euren Bildschirm zu entsperren. Wetten nach einer gewissen Zeit habt ihr gar keine Lust mehr euer Handy fĂŒr unnötiges zu entsperren. Ein weiteres Beispiel kommt von Google.
Einige haben es wahrscheinlich von euch gehört. Google wollte, dass die Mitarbeiter sich gesĂŒnder ernĂ€hren. Also haben sie einen Test durchgefĂŒhrt. Die SĂŒĂŸgetrĂ€nke wurden in den FĂ€chern immer nach hinten und die ungesĂŒĂŸten GetrĂ€nke nach vorne gestellt. Was dann geschah ist klar oder? Viele der SĂŒĂŸgetrĂ€nke blieben unberĂŒhrt, vorher war es genau anders herum.
Das ist nur ein weiteres Beispiel dafĂŒr, wie wir Menschen ticken.

Fazit

Bewusst werden, was der weg des geringsten Widerstands ist und Ihm zu
unserem Vorteil nutzen. Zugleich mit der Kehrseite anfreunden, und auch
diesen zu unserem Vorteil nutzen. Erleichtere dir, das was du möchtest
und erschwere dir das, was du nicht möchtest. So simpel kann es sein.

Ausblick

Es gibt eine weitere Reihe. Dabei wird es um die Persönlichkeit handeln und wie diese sich auf Gewohnheiten auswirkt. Was haben Persönlichkeit und Gewohnheiten gemein? Dieses und noch mehr erfÀhrst du im nÀchsten Artikel.

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